Archiv des Autors: Anna-Marie Raith

Auf einen Kaffee mit Ahmad und Arne

Voller Vorfreude überquerte ich die Straße, die unser Kotti Paten Büro vom Café Südblock trennt, in dem ich mich mit dem 18-jährigen Ahmad und seinem Paten Arne verabredet hatte. Denn schon vor dem Treffen wusste ich: Die beiden, das passt. Arne und Ahmad sind seit Mai 2016 ein Tandem und treffen sich jeden Dienstag Nachmittag. Zusammengebracht wurden sie durch das neuste Projekt von Kotti Paten „Mentoren für Neuberliner Jungs“, in dem unbegleitete minderjährige Geflüchtete durch einen ehrenamtlichen Mentoren unterstützt werden. Bei Arne und Ahmad stimmte die Chemie auf Anhieb.

Arne und Ahmad (v.l.)

Von Ahmad möchte ich als erstes wissen, was er gerne in seiner Freizeit macht.

Ahmad: Sehr viel! Ich bin sehr aktiv – gehe gerne schwimmen oder ins Fitnessstudio, Klettern in der Halle und Joggen, am liebsten durch den Görlitzer Park, das ist schön in der Nähe. Aber ich muss auch viel für die Schule machen. Ich gehe in die 10. Klasse und mache nächstes Jahr meinen MSA. [Mittlerer Schulabschluss; Anm. d. Red.] Arne hilft mir viel dabei für die Prüfungen zu lernen.

Wie gestaltet ihr in der Regel eure Treffen?

Ahmad: Arne lernt oft mit mir Englisch oder hilft mir beim Bewerbungen und Lebenslauf schreiben. Ich suche zum Beispiel gerade einen Minijob, ich würde gerne etwas Geld sparen für eine Reise, aber ich müsste sehr viel von meinem Lohn an das Jugendamt abgeben.

Arne: Wir machen aber nicht nur schulische Dinge. Wir haben auch schon zusammen Pfannkuchen gebacken, waren schwimmen und auch schon zusammen klettern.

Ahmad: Aber als wir klettern waren, habe ich gefastet und hatte sehr wenig Kraft in den Armen [lacht]. Trotzdem hatten wir Spaß! Wir waren auch zusammen bei einem Pferderennen. Mein Onkel hatte früher Pferde. Ich bin viel geritten und habe mich um die Tiere gekümmert. Wir haben sogar auf die Rennpferde gewettet! Wir haben ein bisschen Geld gewonnen und ein bisschen verloren. Am Ende hatten wir 0,20€ Gewinn.

Arne: Wir stehen auch im regelmäßigen Kontakt, wenn einer von uns mal nicht in Berlin ist. Dann schreiben wir vor allem über Whats App und schicken uns Sprachnachrichten.

Was waren denn eure persönlichen Highlights der bisherigen Unternehmungen?

Arne: Mir hat besonders das gemeinsame Schwimmengehen gefallen. Es war ein gutes Gefühl, Ahmad Tipps geben zu können und die gelungene Umsetzung zu beobachten! Das waren kleine Erfolgserlebnisse für uns beide und hat uns noch mehr zusammengeschweißt.

Ahmad: Ja, das war toll! Arne hat mir auch beim Erstellen einer Power Point Präsentation geholfen. Ich habe davor noch nie damit gearbeitet und wusste nicht, wie es funktioniert. Es war für den Chemieunterricht über das Thema „Benzin“.

Arne [lacht]: Da habe ich auch noch dazu gelernt! [zu Ahmad] Die Präsentation ist auch gut gelaufen, oder?

Ahmad: Ja, ich habe eine 2 dafür bekommen und war sehr stolz!

Arne, wie bist du denn überhaupt auf Kotti Paten aufmerksam geworden und was hat dich dazu bewogen, dich zu engagieren?

Arne: Ich war schon länger auf der Suche nach einem ehrenamtlichen Engagement, besonders gerne im Zusammenhang mit Kindern und Jugendlichen. Es ist mir wichtig, einen Beitrag zu leisten, indem man eigene Lebenserfahrung und erlernte Fähigkeiten weiterträgt. Bei einem anderen Projekt stand ich zunächst 1 Jahr lang auf der Warteliste, ohne dass etwas passierte. Über eine Freundin erfuhr ich dann von Kotti Paten und dann ging alles ganz schnell. Und weil ich sowieso auch hier Kiez wohne, hat das wunderbar gepasst!

Ahmad, inwiefern konnte dir denn Arnes Lebenserfahrung schon helfen? 

Ahmad: Arne ist ein totaler Beziehungsmensch! Das mag ich an ihm. Er zeigt mir wie wichtig Zuverlässigkeit oder Vertrauen sind. Wir sprechen viel miteinander. So kann ich auch mein Deutsch verbessern, ganz nebenbei, ohne dass ich mich anstrengen muss! Genau wie beim Schwimmen oder mit der Präsentationen – Arne hat immer gute Tipps für mich. Wir haben auch mal ein Jobinterview für eine Ausbildungsstelle nachgespielt und Arnes Feedback hat mir sehr geholfen.

Und was konntest du schon von Ahmad lernen, Arne?

Arne: Ich habe noch nie jemanden getroffen, der so respektvoll und höflich ist wie Ahmad. Mich selber würde ich auch als freundlich beschreiben, aber Ahmad bringt es auf ein ganz neues Level. Ich denke, dass ich Ahmad praktische Hilfestellungen geben und durch Gespräche sein Deutsch fördern kann, aber in Bezug auf Umgangsformen kann ich noch von Ahmad lernen. Wir wurden am Alex mal grundlos und etwas unwirsch von einer älteren Dame angepöbelt und ich habe mich anschließend laut darüber gewundert und spekuliert, ob sie wohl einen schlechten Tag gehabt habe. Ahmad hat nur gesagt: „Weißt du was, Arne, ich spreche nur ungerne hinter dem Rücken über andere Menschen – wir wissen nichts über sie.“ Das hat mich sehr beeindruckt und auch nachhaltig noch beschäftigt. Ach, und ich möchte noch lernen, wie man reitet! Da kann mir Ahmad sicherlich auch helfen.

Arne, wie würdest du denn deine Rolle gegenüber Ahmad beschreiben?

Arne: Ich fühle mich wie der große Bruder von Ahmad. Ich helfe ihmbei der Bewältigung von Herausforderungen, bin aber auch Ansprechpartner und Ratgeber in schwierigen Situationen. Durch unsere regelmäßigen Treffen stehen wir im engen Austausch und ich kann ihm meine Sichtweise auf die Dinge aufzeigen. Ahmad hat schon sehr viel erlebt und gegenseitiges Vertrauen entwickelt sich natürlich nicht von Heute auf Morgen, aber wir haben bereits eine sehr gute Basis.

Wo seht ihr Gemeinsamkeiten zwischen euch? Wo Unterschiede?

Ahmad: Wir wollen beide viele Dinge wissen und unterhalten uns sehr gerne. Und wir machen beide gerne Sport. Arne ist 11 Jahre älter, aber das hat keine Bedeutung für uns. Wir sprechen auf Augenhöhe und denken oft sehr gleich.

Arne [zu Ahmad]: Das stimmt, für mich bist du kein Junge, sondern ein Mann.

Wie würdet ihr den jeweils anderen beschreiben?

Ahmad: Arne ist super! Er motiviert mich, Dinge anzugehen und ist dabei sehr optimistisch. Ich mag es, dass er so aktiv ist wie ich. Außerdem ist er sehr ehrlich.

Arne: Es ist sehr interessant zu hören, wie du mich siehst! Für seine 18 Jahre ist Ahmad sehr reif. Er ist respektvoll, wissbegierig und neugierig. Er will sich immer weiterentwickeln und Neues dazulernen. Ich finde es auch beeindruckend, wie furchtlos er ist. Er ist in ein fremdes Land gekommen, steht vor vielen Herausforderungen und packt diese mutig an. Er denkt sogar schon über einen Auslandsaufenthalt nach, obwohl gerade noch dabei ist, sich hier zurechtzufinden!

Ahmad: Das stimmt. Ich will so viele Kulturen wie möglich kennenlernen.

Vielen Dank an Ahmad und Arne für das schöne Interview!

Melanie & Ceyda: gemeinsam gewachsen

2013

Ceyda und Melanie gehören zu den „ältesten“ unserer Tandems. In den gut 4 Jahren, die sie sich nun schon treffen, hat es einige große Veränderungen gegeben – bei beiden. Ceyda, damals zarte 12 Jahre alt ist inzwischen ein echter Teenager. Und wo Melanie zu Beginn der Patenschaft gerade ihr Masterstudium angefangen hatte arbeitet sie inzwischen bereits seit 2 Jahren in Vollzeit und ist zudem aus dem Herzen Neuköllns ins Berliner Umland gezogen. Mit diesen Entwicklungen hat sich natürlich auch ihre Patenschaft gewandelt.

Als Ceyda noch jünger war, hat es wöchentlich spannende und aufregende Unternehmungen und Ausflüge gegeben. Als es dann um den Wechsel von der Grundschule aufs Gymnasium ging, haben die beiden zunehmend viele Stunden lernend in der Bibliothek verbracht. Die Unterstützung für wichtige Schulaufgaben versucht Melanie immer noch zu geben, aber heute freuen sich die beiden vor allem sehr darauf – besonders nach einer längeren Zeit ohne Treffen – einfach zusammen ins Café zu gehen, zu quatschen oder auf dem Flohmarkt zu bummeln.

2013

Ceydas Freundinnen halten Melanie oft für ihre Nachhilfelehrerin und staunen nicht schlecht wenn diese inzwischen erklärt: „Wir sind einfach befreundet“. Wenn es um Probleme, zum Beispiel in der Schule oder mit Freunden geht, wendet sich Ceyda auch an Melanie als Vertrauensperson. Diese möchte, indem sie von eigenen Erfahrungen aus der Schule, dem Studium oder der Arbeit erzählt, Ceyda vor allem vermitteln dass sie selbst den Verlauf der Dinge mit beeinflussen und durch ihre eigene Entscheidungen ihren Weg gestalten kann. Melanie ist es wichtig zu vermitteln, dass es verschiedene Herangehensweise an Konflikte gibt und immer auch mehrere Perspektiven.

 

2014

Viele Highlights, tolle Erfahrungen und Aufregende Ausflüge wie der ins Jumphouse oder Tretbootfahrten mit anderen Tandems haben die beiden Woche für Woche enger zusammengeschweißt. Aber es gab auch mal „Misserfolge“, wie der Ausflug in den Tierpark: Für Ceyda bedeuten die Treffen mit ihrer Patin in der Regel auch Ruhe vor ihren zwei kleinen Brüdern und Ablenkung. Entsprechend schlecht war ihre Laune, als der kleine Bruder mitkommen sollte. Das viele Zufußlaufen und das Tragen der Rucksäcke hat die Stimmung zunehmend gedrückt – da hat auch kein Bollerwagen für die Taschen mehr geholfen. Letztendlich ist auch das Interesse an den Tieren flöten gegangen, sodass nach 30 Minuten im Zoo der Heimweg angetreten wurde. Aber heute können die Beiden darüber herzlich Lachen.

Ceyda und Melanie, beide in Berlin aufgewachsen – und trotzdem gefühlt in anderen Welten. Das wird durch unterschiedliche Denkweisen, Einstellungen und Erfahrungen häufig deutlich. Melanie empfindet das aber vor allem als wertvoll und bereichernd, weil man dadurch über den eigenen Tellerrand blicken und auch die eigene Konzepte nochmal kritisch hinterfragen kann. Durch die Patenschaft hat sie außerdem einen ganz neuen Zugang zu dem Kotti Kiez entwickelt. Statt nur dabei, ist sie plötzlich mittendrin.

2015

Melanie legt wert darauf, die Patenschaft jedes Jahr aufs Neue zu reflektieren und gemeinsam mit Ceyda zu schauen, in welche Richtung es weitergehen soll.

Was jedoch beiden bedingungslos klar ist: Die andere Person ist sofort da, wenn man sie braucht, und aus dem Leben der jeweils anderen nicht mehr wegzudenken. So bekommt Melanie zum Beispiel immer ein Souvenir aus den Sommerferien in der Türkei mitgebracht und zum Geburtstag hält sie immer eine Überraschung für Ceyda bereit. Die beiden sind Freundinnen geworden.

Melanie freut sich sehr auf das, was sie gemeinsam noch vor sich haben. Vor allem bei perspektivisch wichtigen Themen wie „Berufsorientierung“ und andere wichtigen Meilensteinen will sie Ceyda unterstützen und begleitend zur Seite stehen. In den vergangenen Jahren ist Ceyda selbstbewusster geworden, hat neue Freundschaften geschlossen, die Schule gewechselt und viele weitere wertvolle Erfahrungen gemacht. Die positive Entwicklung ihres Patenkindes zu beobachten und das Gefühl, mindestens einen kleinen Beitrag dazu geleistet zu haben, ist für Melanie unbezahlbar. Mit abgeschlossenem Studium, fester Beziehung mit gemeinsamer Wohnung und Vollzeit Anstellung ist auch Melanie im Verlauf der Patenschaften „wirklich Erwachsenen“ geworden.
Besorgt hat Ceyda sie mal gefragt: „Treffen wir uns noch, wenn ihr mal Kinder habt?“, was Melanie ihr absolut zugesichert hat.

Drei Jahre bei den Kotti Paten: Rückblick einer Patin

„Hallo Laura, ich habe über Melanie, die selbst Patin bei euch ist, von eurem Verein gehört und würde mich auch sehr gerne persönlich als Patin engagieren. Ich heiße Victoria, bin 24 Jahre alt, Studentin, und habe viel Spaß am Umgang mit Kindern.“

Mit dieser Mail fing alles an.

Heute bin ich 28 Jahre alt und habe durch Kotti Paten bereits meine zweite Patenschaft mit einem Mädchen aus dem Kotti Kiez. Ungefähr einmal die Woche treffe ich mich mit der achtjährigen Zeynep und gemeinsam erkunden wir Berlin, machen Hausaufgaben, gehen schwimmen, ins Planetarium und ins Kino – oder verbringen Zeit bei ihr zu Hause mit ihrer Familie.

Sie zeigt mir ihre Welt, ich ihr meine und zusammen entdecken wir neue unbekannte Universen. Eine enge Patenschaft mit einem Kind heißt auch: Sich immer wieder neue Unternehmungen überlegen. Das ist in Berlin allerdings nicht schwer – die Stadt hat so viel zu bieten. Gleichzeitig kommen über den Kotti Paten Verteiler immer wieder Hinweise und Anregungen zu neuen spannenden Aktionen, Ausstellungen oder auch Workshops. So konnten die Tandems die Unfallchirurgie des Virchow Klinikums besuchen und einen Operationssaal von innen sehen (Gipsen inklusive). Bei einem Erste-Hilfe-Kurs habe ich meine Kenntnisse im Lebenretten aufgefrischt.

Die Familie von Zeynep hat mich sehr herzlich aufgenommen. Regelmäßig bleibe ich nach den Treffen mit meinem Patenkind noch dort, trinke schwarzen Tee, esse Baklava und plaudere mit einer von Zeyneps fünf Schwestern.

Als Vereinsmitglied habe ich zudem spannende Einblicke in die Vereinsarbeit – von der Akquise von Spendengeldern bis hin zu der Planung von größeren Aktionen wie etwa unserer von der Berliner Presse beachteten Aktion „KottiSchick“.

Ich bin sehr gespannt, wie sich Zeynep in der nächsten Zeit entwickelt und was wir noch Spannendes zusammen unternehmen und erleben werden. Langweilig wird es sicher nicht!

Mario und Emre: Von Nimo und Bruchrechnen

Sport und Deutschrap – das sind die zwei großen Themen, über die sich der 12-jährige Emre und sein Pate Mario ewig unterhalten könnten. Emre geht in die 7. Klasse und spielt in seiner Freizeit Basketball und Fußball, schwimmt, fährt Fahrrad, malt und hört gerne Musik, ganz ähnlich wie Mario.

Auf die Frage hin, wie lange sich die beiden schon treffen würden, grinst Emre zu Mario rüber. „1 ½ Jahre? Also … 1 6/12?“, fragt er seinen Paten. „Man merkt vielleicht, dass wir uns in letzter Zeit sehr intensiv mit Bruchrechnen beschäftigt haben“, lacht Mario.

Doch Marios und Emres Treffen seien nicht ausschließlich der Schule gewidmet. Die beiden haben in den besagten 1,5 Jahren schon eine ganze Bandbreite an aufregenden Unternehmungen gemacht: Bowling, Legoland, Rummel, Baseballspielen im Park, Fahrradtouren, Kino und sogar ein Astronautentraining im FEZ Berlin haben die beiden absolviert.

Letzteres sei Emres absolutes Highlight gewesen. Eigentlich sollte ich „ALLES“ als Antwort in Großbuchstaben notieren und doppelt unterstreichen, aber beim Astronautentraining kommt Emre doch besonders ins Schwärmen. Er habe sich dort als erster in ein sogenanntes Spacecurl getraut, ein dreiachsiges Trainingsgerät, welches sich in alle Richtungen drehe, und habe nach anfänglicher Skepsis am Ende gar nicht mehr aufhören wollen. Mario hingegen habe es am meisten genossen, als sie zusammen ganz unspektakulär einen Spaziergang im Kiez gemacht, sich gegenseitig Lieder gezeigt und auch laut gehört haben. Neben den Lieblingskünstler*innen kommen dann ganz schnell und ungezwungen auch die „großen Fragen des Lebens“ zur Sprache.

Während wir so zusammensitzen, möchte Emre zum Beispiel plötzlich von Mario wissen, worauf er in seinem Leben stolz sei. Er müsse das selber als Hausaufgabe beantworten. Mario überlegt einen Moment, aber Emre hat schon potentielle Antworten für seinen Paten vorbereitet. Sein erfolgreiches Studium zum Beispiel oder die Patenschaft, schlägt Emre vor. Mario pflichtet ihm lächelnd bei.

Während seines Psychologiestudiums habe er über eine Kommilitonin von Kotti Paten erfahren. Er habe sich fast ausschließlich mit „Psychos“ (Psychologiestudierenden) umgeben und habe dies als Möglichkeit angesehen, aus seiner „akademischen Blase“ auszutreten und über den Tellerrand zu schauen. In der Patenschaft sehe er allein die gemeinsam verbrachte Zeit als zentral an. Vieles, was Emre aktuell erfahre und erlebe oder noch auf ihn zukomme, habe er mit Mitte 20 so oder auf ähnliche Art und Weise auch durchlebt und könne so seine Erfahrungen weitergeben. Er lege weniger wert darauf, Emre explizit etwas zu vermitteln, als vielmehr einfach für ihn da zu sein und ihm auf Augenhöhe zu begegnen – sei es zur Unterstützung beim Bruchrechnen oder beim Diskutieren des neuen Albums von Nimo.

Aber auch andersherum geschehen in dieser Patenschaft Lernprozesse: Mario sei zum Beispiel aufgefallen, dass er dazu tendiere, Vieles in seinem Leben streng  durchzutakten – sei es freizeitlich oder beruflich. Dadurch werde es sehr hektisch, wenn mal etwas Unerwartetes dazwischen komme. Emre hingegen lasse sich durch so etwas weniger stressen. Inzwischen hätten Emre und Mario schon mal gut 15 Minuten auf der Parkbank vor Emres Haustür verbracht, um ihre Verabschiedungsformel zu besprechen – also einfach mal das tun, wonach einem gerade sei.

Laut Mario schaffe Emre es durch seine positive und Art und seine gute Laune immer Energie in die Treffen zu bringen, sogar wenn Mario von der Arbeit komme und erledigt sei. Besonders gut könnten die beiden zusammen rumalbern und scherzen – sie teilen einen Humor. Und das merkt man auch, wenn man den beiden gegenüber sitzt. Uneinigkeiten bestünden nur, wenn es darum gehe, ob sie zu Fuß gehen oder den Bus nehmen. Aber auch das lasse sich schnell mit einer Runde Schnick Schnack Schnuck lösen.

Vielen Dank an Emre und Mario für das nette Gespräch!

Mario und Emre (v.l.) im Spreepark Plänterwald.

Paten-Poetry

Folgendes Gedicht erreichte uns von einem unserer Paten, der unter dem Pseudonym Brubeckfan noch weitere Gedichte veröffentlicht. Der Inhalt sei inspiriert worden durch verschiedene Erzählungen von anderen Pat*innen und begeisterte uns so sehr, dass wir es gerne teilen.

 

Hut ab

Ein Zimmer, drei Kinder, und bald sind sie vier.

Die große Verwandtschaft nimmt oft hier Quartier,

dann wird es nachts laut. In der Schule sitzt sie

dann wieder todmüde. Die Pausen sind wie

ein Ringen ums Dasein. Der Stärkere siegt

im Kampf darum, wer ihre Turnschuhe kriegt.

Das Lernen gelingt in der Bücherei nur.

Zu Hause putzt sie schnell noch Küche und Flur.

Sie ist ja die Große, Gebildete gar;

den Eltern sind Lesen und Schreiben nicht klar.

Sie weiß mit dir fröhlich und klug umzugehn,

spricht fließend zwei Sprachen und ist doch erst zehn.

 

Auf andre herabsehn, das können wir gut.

Doch ich ziehe vor diesem Kind meinen Hut.

Eine Kostprobe „Fremdsein“

Wie fühlt es sich an, fremd zu sein?

Diese Frage beschäftigt mich immer wieder. Nicht zuletzt, weil ich mich seit etwa einem Jahr als Patin von der inzwischen 9-jährigen Ela bezeichnen darf, deren Eltern vor 12 Jahren aus der Türkei nach Deutschland gezogen sind. „Fremdsein“, das bedeutet für mich: Sprachbarrieren, soziale Unsicherheit, Fettnäpfchen an jeder Ecke, sprachliche und kulturelle Missverständnisse und eine erschwerte Annäherung an eine andere Kultur durch unbekannte Normen und Sitten. In meinem Alltag erlebe ich nur selten Momente, in denen ich mich fremd fühle. Umso gespannter und aufgeregter war ich, als mich Gülsah, die Mutter von Ela, zu einer türkischen Hochzeit inklusive „kına gecesi“, dem traditionellen Henna-Abend wenige Tage vor der Hochzeit, einlud.

Die Vorbereitung auf das Fest warf viele Fragen auf: Was zieht man an? Ist es okay, Schulter zu zeigen? Schenkt man etwas? Darf man Pralinen mit Alkohol schenken? Muss ich noch lernen, wie man Halay tanzt? Und wer ist eigentlich die Braut? Auch Ela schien sich über letzteres nicht ganz sicher zu sein. Mit „Großcousine“ oder „Cousine 2. Grades“ schienen wir der Sache näher zu kommen. Mit der Hilfe von Elas Mutter, Google und meiner Schwester, die ein Jahr in Istanbul verbracht hatte, erlangte ich ein spärliches Grundwissen über die Veranstaltungen, doch die meisten Fragen blieben vorerst ungeklärt.

Und so machte ich mich am Donnerstagabend mit zwei Freundinnen im Schlepptau auf zum Henna-Abend, mit einem großen Blumenstrauß und einer Packung Pralinen unterm Arm. Die Unsicherheit, was uns wohl erwarten würde, wurde uns mit einem Schlag genommen, als Ela bereits im Eingangsbereich mit wehendem Kleid auf uns zugelaufen kam und mich an der Hand in den großen, festlich geschmückten Saal führte.

Das erste, was mir als ungewöhnlich auffiel, war unübersehbar: Es war erst 18.00 Uhr und mehr als die Hälfte der Gesellschaft hatte sich bereits auf der Tanzfläche versammelt, während eine 3-köpfige Liveband, bestehend aus einem Trommler, einem Bläser und einem Sänger, türkische Lieder spielte. Die Tänzer und Tänzerinnen bildeten einen großen Kreis, verschlangen links und rechts ihre kleinen Finger miteinander, wedelten mit weißen und roten Tüchern und bewegten sich fast tranceartig in einem einfachen Gleichschritt. Unser Versuch, sich unauffällig an einen Tisch zu setzen und zunächst aus sicherer Entfernung zu beobachten, scheiterte kläglich, da wir sofort zum Mittanzen aufgefordert wurden. Den Grundschritt hatte man schnell drauf, doch ein abrupt angezogenes Tempo und eine plötzlich veränderte Schrittfolge brachten mich dann doch wieder aus dem Rhythmus. Bis in die Nacht wurden verschiedene Variationen des Halays mit einer beeindruckenden Ausdauer getanzt und nur zum Essen wurde die ohrenbetäubend laute Musik für kurze Zeit gedrosselt.

Ela und ich auf dem Henna-Abend (links)

Auch von den besagten Fettnäpfchen blieben wir nicht verschont: Geschenkt hat an dem Abend niemand etwas, weswegen wir den Blumenstrauß und die Pralinen möglichst unauffällig wieder in der Tasche verschwinden ließen, um es am Sonntag zur Hochzeit noch einmal zu versuchen. Und als das Brautpaar einzog, wurden uns Rosen in die Hand gedrückt, welche wir so eifrig hochhielten und im Takt wogen, dass wir nicht mitbekamen, dass alle anderen die Blätter abpflückten und über das Brautpaar warfen. Zu unserem Glück lösten unsere Patzer eher Erheiterung als Unverständnis aus.

Und dann waren da noch die unbekannten Bräuche: Während melancholische Lieder gespielt und die Hände der Braut mit Henna verziert wurden, wurde diese symbolisch von ihrer Familie und ihren Verwandten verabschiedet. Um das Brautpaar herum bildete sich eine aufmüpfige Traube aus überwiegend männlichen Hochzeitsgästen, welche den Bräutigam mit der flachen Hand auf den Kopf schlugen, während die zukünftige Schwiegermutter die Braut zu schützen versuchte. Die Bedeutung und wie viele der Emotionen und Dramatik Ernst und wie viel Schauspiel waren, habe ich bis heute nicht herausfinden können.

Mein Patenkind Ela hat mich an dem Abend besonders verzaubert. In ihrem festlichen Tüllkleid und mit hochgesteckten Haaren wirbelte sie selbstbewusst auf der Tanzfläche herum, motivierte sogar die Tanzfaulen sich aufzuraffen, tanzte selbst wie eine Große in den Reihen der Erwachsenen und trug grundlegend dazu bei, dass ich mich pudelwohl fühlte. Genauso wie Elas Mutter, Vater, Tante und Oma, die sich pausenlos erkundigten, ob wir alles haben, was wir brauchen.

Meine Kostprobe des „Fremdsein“ war an diesem Abend natürlich genau wie Ela in rosa Tüll gewickelt: Denn nur wenige Menschen, die sich fremd fühlen, haben das Glück auf aufgeschlossene, hilfsbereite und engagierte Menschen zu treffen, die das Gefühl der Fremdheit in Neugierde umwandeln. Sich selbst einmal in eine fremde Umgebung hineinzuwagen, ist eine spannende und wertvolle Erfahrung, die ich jedem ans Herz legen würde. Denn jeder, der selbst einmal fremd war, versteht, wie viel Mut das braucht – und kann es „Fremden“ umgekehrt leichter machen. Und mir ist wohl bewusst, dass es ein großes Privileg ist, dass ich mich bewusst in diese Situation „hineinbefördert habe“ und dass sich für gewöhnlich nur die wenigsten Personen freiwillig in die Fremde begeben. Doch diese Tatsache macht es bloß noch wichtiger, empathisch zu sein.

Die Frage nach dem Alkohol in den Pralinen hatte sich übrigens spätestens dann erübrigt, als uns genau wie allen anderen Gästen wortlos eine ganze Flasche Whiskey auf den Tisch gestellt wurde. Weitere weniger elementare Erkenntnisse des Abends: Kurzfristige drei Gäste mehr oder weniger auf der Hochzeit müssen keine Prä-Ehekrise auslösen, stundenlang im Kreis tanzen macht erstaunlich viel Spaß und auch nach einer Hochzeit können abends im Bett die Ohren dröhnen wie nach einer Technoparty.

Ausflugsziele in und um Berlin

Museen 

Ein Besuch im Museum muss nicht immer verstaubt und langweilig sein – es gibt so viel Tolles zu entdecken! Fast jedes Museum bietet besondere Ausstellungen und Aktivitäten für Kinder an, wie etwa Lesenächte, Workshops oder Mitmachausstellungen. Informationen dazu findet man am besten auf der Homepage des jeweiligen Museums. Um den Besuch noch spannender zu machen, kann man auch kleine „Aufgaben“ damit verbinden. Zum Beispiel kauft man sich am Eingang eine Postkarte mit einem bestimmten Ausstellungsstück und sucht dieses Objekt dann im Museum. Wer es zuerst gefunden hat, darf sich aussuchen, wohin der nächste Besuch geht.

Deutsches Technikmuseum
Trebbiner Str. 9
10963 Berlin (U1/U7 Möckernbrücke)
http://www.sdtb.de/Startseite.63.0.html

Museum Friedrichshain-Kreuzberg
Adalbertstraße 95A
10999 Berlin (U-Bahn Kottbusser Tor
http://www.fhxb-museum.de

Jüdisches Museum
Lindenstr. 9-14
10969 Berlin
http://www.jmberlin.de

Kaffeemuseum
Nostitzstraße 5
10961 Berlin
http://www.kaffeemuseum-berlin.de

 

Natur und Tiere

Es müssen nicht immer Knut oder Flocke sein – jeder Zoo hat viel zu bieten. Man kann das eine oder andere süße Tierbaby finden oder sich an der Robbenfütterung freuen. Wildparks sind ebenfalls ein gutes Ausflugsziel, um Tiere zu beobachten.

Prinzessinnengärten
Prinzenstr. 35-38
10999 Berlin (U-Bahn Moritzplatz)
http://prinzessinnengarten.net/

Tierpark Berlin
Am Tuerpark 125
10319 Berlin
http://tierpark-berlin.de/de 

Spaziergang auf den Kreuzberg & Viktoriapark
Kreuzbergstr. 15
10965 Berlin (U6/U7 Mehringdamm)
http://www.berlin.de/sehenswuerdigkeiten/3560783-3558930-viktoriapark.html

 

Mitmachen, Erleben und Forschen 
KIKÜ – Die Kinderküche e.V.
Urbanstraße 44
10961 Berlin
http://www.staedtebaufoerderung.info/StBauF/DE/Programm/SozialeStadt/Praxis/BE/Beispiele/0577_kikue/0577_inhalt.html

Keramik bemalen „Paint your Style“
Mehringdamm 73
10965 Berlin (U6/U7 Mehringdamm)
http://www.paintyourstyle.eu/kreuzberg/index.html

 

Theater

Es muss nicht immer Shakespeare oder Goethe sein. Auch für Kinder bieten die meisten Theater unterhaltsame Stücke oder Musicals an. Im Sommer sind Freilichtbühnen und Open-Air-Kinos ein echtes Highlight. https://www.berlin.de/tickets/theater/tipps/buehnen/kinder-und-jugendtheater/

 

Bauernhof

Kinderbauernhof im Görlitzer Park
Wiener Straße 56b
10999 Berlin
http://www.kinderbauernhofberlin.de 

Tierpark Neukölln Hasenheide
Koloniestraße 133-136
13359 Berlin
http://tierpark-neukoelln.berlin

 

Abenteuerspielplätze

Eine tolle Übersicht der Abenteuerspielplätze in Eurer Nähe findet ihr auf Kindaling: https://www.kindaling.de/abenteuerspielplaetze/berlin

 

Ein Besuch in der Universität

Hörsäle mit treppenartigen Sitzplätzen, riesige Bibliotheken und die Mensa – all das und vieles mehr gibt es auf dem Campus einer jeden Universität zu entdecken. Viele bieten auch regelmäßig Tage der „Kinderuniversität“ an, wo Kindern die Wissenschaften dann auf spielerische Weise näher gebracht werden. http://www.die-kinder-uni.de/html/berlinfo.html 

 

Tag der offenen Tür

Städtische Einrichtungen wie das Wasserwerk, die Feuerwehr, Polizeiwache, die Bahn oder einfach ortsansässige Betriebe haben meistens einmal im Jahr einen Tag der offenen Tür, wo dann jeder hinter die Kulissen schauen kann. Wer wollte nicht schon immer einmal wissen, wo eigentlich der Strom her kommt, auf was genau der TÜV die Autos untersucht oder wie der Bäcker sein Brot backt?

Schule und Hausaufgaben

Neben all den spannenden Ausflügen und Freizeitaktivitäten gehört die Lernunterstützung in der Gestaltung Eurer Patenschaft bestimmt auch dazu. Hier ein paar Anregungen:

Gemeinsam Lernen bei den Kotti Paten 
Ihr könnt die Räume der Kotti Paten jederzeit zum Lernen und Hausaufgaben machen nutzen. Vergesst nicht, euch vorher dafür in die Liste der Raumbelegung auf unserer Homepage einzutragen, damit gleichzeitig nicht zu viele Tandems auf einmal hier sind und ihr genügend Ruhe habt! Ihr findet in unseren Bücherregalen eine große Auswahl an Lehrmaterial, Lesebüchern, Übungsblöcken, Wörterbüchern, Duden, Infos zum Lehrstoff etc. Außerdem steht euch ein Computer mit Internetzugang und Drucker zur Verfügung.

Lernkarten interaktiv und online gestalten
Auf einer Onlineplattform zur interaktiven Gestaltung von Lernkarten hat man die Möglichkeit, eigene Lernkarten einfach zu erstellen und spielerisch zu lernen. Die Seite ist nach dem bekannten „5-Fächer System“ aufgebaut, kostenlos und für alle frei zugänglich.

Lernunterstützung für die Grundschule 
Material und Tipps für die Grundschule sowie kostenloses und ansprechendes Unterrichtsmaterial findest Du auf der Seite Materialwiese. Poster, Plakate, Lernspiele und Lehrbücher zu unterschiedlichsten Themen wie Fahrradprüfung, Energie und Strom, Regenwald oder Europa können das Lernen vielleicht erleichtern und ansprechender gestalten.

Kennst Du schon…? Weiterführende Links

Es gibt viele tolle Internetseiten, auf denen Du Dich, vielleicht auch zusammen mit Deinem Patenkind, über neue Ausflugsziele informieren kannst, oder ihr könnt neue Ideen für Eure gemeinsamen Aktivitäten finden.

Sommerfest 2017

Im Juli feierten wir unser alljährliches und heiß ersehntes Kotti Paten Sommerfest. Das Wetter spielte mit und so trafen zahlreiche Pat*innen, Patenkinder und deren Familie und Freunde im Hof des CHIP Jugendhauses ein. Aus mitgebrachten Kuchen, Muffins, Salaten, Knabbereien, Obst, Brot und vielem mehr wurde ein großes, buntes Buffet, welches perfekt durch Würstchen und Käse vom Dosabike Grill ergänzt wurde. Es wurde gelacht, gekickt, gequatscht, gemalt und vor allem gespielt, dank einer wortwörtlichen Busladung voller Spiele vom kein Abseits! SpieleStar.