Insel statt Ostsee – am Ende kommt alles anders

IMGP3298 - Arbeitskopie 2Einmal mit dem Zug an die Ostsee fahren – das wünschte sich Mustafa von seinem Paten. Für die meisten von uns Berliner*Innen etwas selbstverständliches, ist es doch nur eine Fahrt von zweieinhalb Stunden, schon steht man in den herrlichen Dünen von Warnemünde. Die meisten unserer Patenkinder aber durften das noch nie erleben. Daher waren schnell auch viele andere Tandems begeistert von der Idee und wir planten auf den Patenstammtischen einen gemeinsamen Ausflug an die Ostsee. Wir suchten nach passenden Zugverbindungen, überlegten uns Beschäftigungen für die Fahrt und vor Ort und fanden schließlich ein Datum das perfekte Wetteraussichten für einen Tag am Strand versprach. Samstag, der 06. September sollte es sein.

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Und dann, am Vortag, die Schockmeldung – die Gewerkschaft der Lokomotivführer kündigte für Samstagmorgen zwischen 6 und 9 Uhr einen Streik an. Genau zu der Zeit wollten wir in Berlin in den Zug Richtung Warnemünde steigen! Was nun? Wird unser Zug wirklich betroffen sein? So kurzfristig absagen, wo alle schon voller Vorfreude waren – das wollten wir den Kindern nicht antun. Also blieben wir optimistisch und sammelten uns wie geplant am Samstag morgen um 8Uhr am Bahnhof Gesundbrunnen. Aber tatsächlich – die Anzeige am Gleis versprach zunächst 70min Verspätung, dann verschwand unser Zug völlig von der Anzeige. Enttäuschung machte sich breit – da mochte auch zunächst keines der Kinder unsere Erklärungen über Gewerkschaften und Streikkultur hören.

IMGP3044Ein Plan B musste her! Tempelhofer Feld? Drachen hatten wir im Gepäck. Wannsee? Auf Baden waren wir eingestellt. Ins Aquarium? Da gäbe es auch Salzwasser. Eine Spreetour? Da gäbe es die angekündigten Schiffe. Am Ende entschieden wir uns für die Insel der Jugend und versprachen den Kindern Tretboot fahren. Da strahlten die Gesichter endlich wieder und wir stiegen in die erste Ringbahn die den Bahnhof verließ. 15min Bahnfahrt, 20min mit Sack und Pack durch den Treptower Park und da lag sie vor uns – die Insel Berlin. Zu dieser frühen Stunde noch ganz Menschenleer, abgesehen von zwei Damen die in der schon warmen Morgensonne beeindruckende Yogaverrenkungen vollführten.

IMG_0050 - Arbeitskopie 2Nach der vielen Aufregung hatten erst einmal alle Hunger. Also breiteten wir unsere Picknickdecken aus und teilten miteinander die mitgebrachten Leckereien. Gestärkt konnten sich nun alle in Aktivitäten stürzen. Federball, Drachen, Wikingerschach, Kartenspiele, Zeichenblöcke, Fußball – wir hatten alles dabei und so vergingen die Stunden wir im Flug. Mittags mieteten wir die versprochenen Tretboote und voller Begeisterung traten die Kinder in die Pedale. Die für die Ostsee geplanten Fischbrötchen zum Mittagessen konnten wir zwar nicht einlösen, aber mit Bratkartoffeln waren dann auch alle zufrieden – und eigentlich auch schon fast vergessen dass wir hätten doch woanders sein wollen. Zum krönenden Abschluss durften die Kinder noch Riesenseifenblasen machen – und begeisterten damit auch die übrigen Parkbesucher. Sonnengebräunt und glücklich traten wir gegen 18.00Uhr die Heimreise an und das Fazit war einstimmig: an der Ostsee hätte es auch nicht schöner sein können!

P.s.: Aber ans Meer wollen wir trotzdem noch!