Mario und Emre: Von Nimo und Bruchrechnen

Sport und Deutschrap – das sind die zwei großen Themen, über die sich der 12-jährige Emre und sein Pate Mario ewig unterhalten könnten. Emre geht in die 7. Klasse und spielt in seiner Freizeit Basketball und Fußball, schwimmt, fährt Fahrrad, malt und hört gerne Musik, ganz ähnlich wie Mario.

Auf die Frage hin, wie lange sich die beiden schon treffen würden, grinst Emre zu Mario rüber. „1 ½ Jahre? Also … 1 6/12?“, fragt er seinen Paten. „Man merkt vielleicht, dass wir uns in letzter Zeit sehr intensiv mit Bruchrechnen beschäftigt haben“, lacht Mario.

Doch Marios und Emres Treffen seien nicht ausschließlich der Schule gewidmet. Die beiden haben in den besagten 1,5 Jahren schon eine ganze Bandbreite an aufregenden Unternehmungen gemacht: Bowling, Legoland, Rummel, Baseballspielen im Park, Fahrradtouren, Kino und sogar ein Astronautentraining im FEZ Berlin haben die beiden absolviert.

Letzteres sei Emres absolutes Highlight gewesen. Eigentlich sollte ich „ALLES“ als Antwort in Großbuchstaben notieren und doppelt unterstreichen, aber beim Astronautentraining kommt Emre doch besonders ins Schwärmen. Er habe sich dort als erster in ein sogenanntes Spacecurl getraut, ein dreiachsiges Trainingsgerät, welches sich in alle Richtungen drehe, und habe nach anfänglicher Skepsis am Ende gar nicht mehr aufhören wollen. Mario hingegen habe es am meisten genossen, als sie zusammen ganz unspektakulär einen Spaziergang im Kiez gemacht, sich gegenseitig Lieder gezeigt und auch laut gehört haben. Neben den Lieblingskünstler*innen kommen dann ganz schnell und ungezwungen auch die „großen Fragen des Lebens“ zur Sprache.

Während wir so zusammensitzen, möchte Emre zum Beispiel plötzlich von Mario wissen, worauf er in seinem Leben stolz sei. Er müsse das selber als Hausaufgabe beantworten. Mario überlegt einen Moment, aber Emre hat schon potentielle Antworten für seinen Paten vorbereitet. Sein erfolgreiches Studium zum Beispiel oder die Patenschaft, schlägt Emre vor. Mario pflichtet ihm lächelnd bei.

Während seines Psychologiestudiums habe er über eine Kommilitonin von Kotti Paten erfahren. Er habe sich fast ausschließlich mit „Psychos“ (Psychologiestudierenden) umgeben und habe dies als Möglichkeit angesehen, aus seiner „akademischen Blase“ auszutreten und über den Tellerrand zu schauen. In der Patenschaft sehe er allein die gemeinsam verbrachte Zeit als zentral an. Vieles, was Emre aktuell erfahre und erlebe oder noch auf ihn zukomme, habe er mit Mitte 20 so oder auf ähnliche Art und Weise auch durchlebt und könne so seine Erfahrungen weitergeben. Er lege weniger wert darauf, Emre explizit etwas zu vermitteln, als vielmehr einfach für ihn da zu sein und ihm auf Augenhöhe zu begegnen – sei es zur Unterstützung beim Bruchrechnen oder beim Diskutieren des neuen Albums von Nimo.

Aber auch andersherum geschehen in dieser Patenschaft Lernprozesse: Mario sei zum Beispiel aufgefallen, dass er dazu tendiere, Vieles in seinem Leben streng  durchzutakten – sei es freizeitlich oder beruflich. Dadurch werde es sehr hektisch, wenn mal etwas Unerwartetes dazwischen komme. Emre hingegen lasse sich durch so etwas weniger stressen. Inzwischen hätten Emre und Mario schon mal gut 15 Minuten auf der Parkbank vor Emres Haustür verbracht, um ihre Verabschiedungsformel zu besprechen – also einfach mal das tun, wonach einem gerade sei.

Laut Mario schaffe Emre es durch seine positive und Art und seine gute Laune immer Energie in die Treffen zu bringen, sogar wenn Mario von der Arbeit komme und erledigt sei. Besonders gut könnten die beiden zusammen rumalbern und scherzen – sie teilen einen Humor. Und das merkt man auch, wenn man den beiden gegenüber sitzt. Uneinigkeiten bestünden nur, wenn es darum gehe, ob sie zu Fuß gehen oder den Bus nehmen. Aber auch das lasse sich schnell mit einer Runde Schnick Schnack Schnuck lösen.

Vielen Dank an Emre und Mario für das nette Gespräch!

Mario und Emre (v.l.) im Spreepark Plänterwald.